Redebeitrag bei „One Billion Rising“

One Billion Rising 2017 – Redebeitrag Antirassistische Offensive

Wir sprechen heute im Namen der Antirassistischen Offensive. Wir sind ein Zusammenschluss von Aachener Gruppen, der sich seit 2015 gegen Rassismus und alle anderen Diskriminierungsformen stellt.
Der Kampf gegen Sexismus und Frauenfeindlichkeit und der Kampf gegen Rassismus sind für uns untrennbar miteinander verbunden. Rassistische Denkmuster haben im Kampf gegen Diskriminierung nichts verloren!
Die Vorfälle am Kölner Hauptbahnhof in den Sylvesternächten 2016 und 2017 und ihre gesellschaftlichen Nachwirkungen haben gezeigt: Rassistische Denkmuster werden gezielt eingesetzt und bedient.
Die Übergriffe gegenüber Frauen wurden als Legitimation benutzt, um die rassistische Grundstimmung weiter zu verschärfen. Schwimmbadbesuche Geflüchteter wurden rassistisch diskutiert. Es kam zum Ausschluss aus einigen Bädern. Dies bedeutete für die Betroffenen einen weiteren Ausschluss von gesellschaftlicher Teilhabe. Residenzpflicht, Arbeitsverbote, jahrelange unklare Aufenthaltstitel schränken diese Teilhabe ohnehin schon sehr stark ein.

Auch die wiederholte und im Sommer 2016 angeheizte Debatte, welche Alltags –und Badekleidung für Frauen angemessen sei (Stichwort „Burkiniverbot“), zeigt, dass es sich nur vermeintlich um einen Kampf für Frauenrechte handelt. Stattdessen wurden Frauen nicht in die Diskussion einbezogen. Sondern – wie so häufig – haben auch hier wieder Männer die Entscheidungshoheit an sich gerissen. Dabei wurde über die Köpfe anderer Geschlechter hinweg festgelegt, was vermeintlich richtig und was falsch ist. Die sich daraus ergebenden Folgen brachten keinerlei Vorteile für Frauen und andere nicht-männliche Geschlechter. Sondern sie sorgten im Gegenteil sogar dafür, dass Frauen von manchen Örtlichkeiten aufgrund ihrer Bekleidung ausgeschlossen wurden. Wie es beispielsweise an französischen Stränden der Fall war. Dort musste sich eine Frau sogar in der Öffentlichkeit und vor männlichen Polizisten umziehen. Wohlgemerkt vermeintlich im Namen der Frauenrechte.

Die sexualisierten Übergriffe gegenüber Frauen in der Silvesternacht 2015/16 wurden als Vorwand genommen, um am selben Ort beim diesjährigen Silvester ein massenhaftes „racial profiling“ für notwendig zu erklären und durchzuführen. Als „racial profiling“ bezeichnet man eine Kontrolle, die auf rassistisch begründeten Merkmalen beruht, statt konkrete Verdachtsmomente anzuführen. Hunderte von hauptsächlich männlichen Personen, denen von der Polizei eine nordafrikanische Herkunft zugeschrieben wurde, wurden für mehrere Stunden bis kurz nach Jahreswechsel ohne jeglichen Tatverdacht festgehalten. Auch hier erhält man wieder den Eindruck, dass der vermeintliche Einsatz für die Unversehrtheit von Frauen missbraucht wurde, um eine Menschengruppe daran zu hindern, ein interkulturelles, Menschen verbindendes Fest zu feiern. Zudem bezeichnet die Polizei eine unklar begrenzte Gruppe von Menschen pauschal rassistisch als „Nafris“ – „nordafrikanische Insensivtäter“ – ein Begriff, den Rechtsextreme dankend aufgegriffen haben. Hier wurden nicht Frauen geschützt oder Frauenrechte verteidigt, vielmehr inszenierte sich die Polizei nach unserer Wahrnehmung mit rassistischen Methoden.

All diese Beispiele zeigen, dass Sexismus und Frauenfeindlichkeit weiterhin vor allem auf den vermeintlich Fremden übertragen wird. Diese beiden Diskriminierungsformen werden nicht als ein globales Problem begriffen und in all ihren Facetten bekämpft. Schließlich ist Sexismus ein alltägliches Problem in unserer Gesellschaft. Sei es zum Beispiel in Form von unterschiedlich hohen Löhnen, objektivierender Werbung, diskriminierendem Sprachgebrauch, Verharmlosung von sexualisierten Übergriffen oder dem Einfordern von stereotypen geschlecherbezogenen Rollen.
Nicht nur der von der AfD geforderte geschlechterpolitische Roll-back zeigt, dass der Sexismus gerade von denen ausgeht, die versuchen, ihn in rasstischer Manier als ein Problem „der anderen“ darzustellen. Leider gehören dazu auch ehemalige Feministinnen wie Alice Schwarzer.

Wir kämpfen für ein gutes Leben für alle, unabhängig von Herkunft, Geschlecht, sexueller Orientierung, wirtschaftlicher Situation und anderen Faktoren. Wir lassen uns nicht gegeneinander ausspielen – der Kampf gegen Sexismus und der Kampf gegen Rassismus gehören zusammen.

Wir fordern ein Ende aller Diskriminierungsformen!